Sanitys Dawn/Yacøpsæ Split-CD (Sanitys Dawn/Yacøpsæ)

Veröffentlichung: 30.11.2003, Medium: CD

Zugegeben, an dem Silberling war ich hauptsächlich wegen den Fastcorehelden "Yacøpsæ" interessiert, da ich von "Sanitys Dawn" noch nicht allzu viel gehört habe, außer dem 94'er Demotape, auf dem sie ja noch etwas eingängigen GoreGrind fabrizierten.

Überraschenderweise gings dann beim ersten Lied nicht mit Gore los - neiin - Kurzzeit-Revoluzzer ist ein Fastcore-brett! Raues gutturales Gebrüll in einem Wechselspiel mit hysterischem Geschrei. Das hört sich stellenweise so an als ob Topsy, der Sänger, barfuß in einem Haufen Reißzwecken rumhüpft. Aber da es in den darauf folgenden Stücken ähnlich arg zur Sache geht, tippe ich doch auf einen, schlicht, ambitionierten Sänger.

Eigentlich eine krasse Wendung von groovigem GoreGrind zu Highspeed-Fastcore, aber keinesfalls bedauernswert, außerdem war es eine bewusste Entscheidung der Band. Bei der Gelegenheit sollte man vielleicht auch anmerken, dass vom ursprünglichen Line-up nur noch der Schlagzeuger, "Chefdenker und Bandgroßvater" Holm übrig geblieben ist.

Das heisst aber nicht, dass Holm auf dem Namen sitzen blieb und dann alleine die ganze musikalische Ausrichtung umgestülpt hat. Die Band hat auch nach den vielzähligen Umbesetzungen einige Gurgelgrindplatten aufgenommen. Angeöded von Gore, Guts'n'Groove entwickelten sie sich dann jedoch nicht nur in musikalischer Hinsicht in eine andere Richtung - auf einmal gab's von Topsy Texte mit Sinn und Belang zu hören, was den Genuss ihrer Songs noch weiter erhöht.

Naja,...wie dem auch sei - Sanitys Dawn brettern hier aber nicht nur ihre eigenen Prügelmelodaien runter, sondern liefern auch zwei echt geniale Covers ab: Backstabber von "Dystopia" und den Deutschpunkgassenhauer Karlsquell von "Slime". Nach diesem letzen Brecher steigt man dann auch schon gut aufgewärmt und euphorisch in den Yacøpsæ-Teil des Machwerks ein - was nach diesem relativ langsamen Coversong erstmal ein Bruch ist.

Mercy? No Thanks! Yacøpsæ ballern einem hier gleich einen brachialen Instrumente-Zerstörer-Song entgegen, dass man richtig bewegungslustig wird!

Es ist ja hinlänglich bekannt, dass diese Jungs wirklich kompromisslosen Fastcore der Extraklasse machen - von daher war auch nichts anderes zu erwarten - aber mit so einem Killer hab ich nicht gerechnet. Diese 12 Songs können wirklich mit ihrem, meiner Meinung nach, bis jetzt genialsten Output "Einstweilige Vernichtung" mithalten. Zumal Yacøpsæ hier musikalisch auch nicht mehr ganz so "homogen" erscheint als gewohnt.

Ich will ihre alten Werke nicht diffamieren, aber es fällt mir persönlich recht schwer Songs ihrer früheren Tonträger von einander zu unterscheiden. Jetzt bekommen die Stücke einen selbstständigeren Charakter und es gibt teilweise sogar richtig "moshige" Nummern (wie z.B. "Elend") - eine unbekannte Erfahrung bei dieser Band für mich. Dennoch: Knüppelsongs wie "Schachbrettmuster", "Spätfilmwichser" oder "Minus" zaubern mir immernoch ein breiteres, glücklicheres Grinsen ins Gesicht.

Also insgesamt eine geniale Split-Scheibe mit zwei genialen Bands die sich von Release zu Release ständig steigern - bin ja schon auf die angekündigte LP und die Discography-Doppel-CD gespannt.

http://www.sanitysdawn.de

http://www.yacoepsae.de

Regurgitated Semen Records
  (von kernkraftritter)
kernkraftritter






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