(A) Senile Animal (The Melvins)
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Seit jeher besetzt die Band um Buzz Osbourne und Dale Crover eine (wohl immer gleiche) Sonderposition in der sich ständig verändernden Musikszene. Denn genauso schwer wie den Stil der Melvins zu beschreiben ist wohl sie im popkulturellen Kontext unserer Zeit unterzubringen, vor allem dann, wenn man als besagte Band nach 23 Jahren und 17 offiziellen Studioalben ein Werk wie "(A) Senile Animal" auf die ahnungslose Menschheit loslässt.
Nachdem zuletzt mit Namen wie Jello Biafra und Lustmord colaboriert und fleißig mit den Bigbandkollegen von Fantomas getourt wurde, schien es so, als seien sämtliche Möglichkeiten, die Urgewalten von Buzzos Gitarre in kreative Bahnen zu lenken ausgetestet, die vierjährige Schaffenspause seit der letzten Platte stellte die Geduld vieler Fans doch sehr auf die Probe - wie soll es weitergehen? was bleibt noch zu tun? - richtig! einfach mal ein paar Jährchen die Zeit zurückdrehen, Houdini & Co herauskramen und dort die ersehnte Muse suchen. Gesagt, getan: Ein paar weniger Synthis, ein bisschen weniger Apokalyptisches Chaos (siehe "Colossus of Destiny"), dafür mehr gewaltige Hooklines, markerschütternde Gitarrenriffs und gleich ein doppeltes Trommel-"feuer".
Letzteres kommt nicht von ungefähr, denn nachdem man seinen mittlerweile vierten Tieftöner über den Jordan geschickt hatte, brauchte man einen Ersatz an der Bassgitarre und fand diesen kurzerhand bei den Kumpels von "Big Buisness", mit denen noch vor 2 Jahren getourt wurde. Und weil Big Buisness nur aus zwei Köpfen bestehen, nahm man den zweiten gleich mit ins Boot und durfte von nun an 2 Trommler sein Eigen nennen.
Die Songs kommen catchy bis dronig, man hört eine gesunde Portion Black Sabbath und einen unverkennbaren garage-Anteil heraus. Doomige Gitarren-Feedback-Wände wechseln mit Queen-o-restkem Operettengesang und immer wieder ist da dieses Déjá Vu - Postpunk - das klingt so vertraut und doch wieder neu, man interpretiert den eigenen Sound. Doch bitte nicht negativ auffassen - (A) Senile Animal ist ein ausgesprochen eigenständiges Album, mit dem die Grunge-Urväter endlich wieder beweisen, wie innovativ sie auch im 21. Jahrhundert noch sein können.
Dass diese Band grad eine Abhandlung ihres gesamten Stilwandels vertont und sich nebenbei mal wieder selbst neu erfunden hat, darin sollten einfach mal alle Leute, die so fleissig waren, bis hier hin zu lesen die ideale Möglichkeit sehen, die Melvins auch für sich (neu) zu entdecken. Wer sich in dieser Community für Nirvana interessiert und schon immer mal wissen wollte, welche Band Mr. Cobain zu Lebzeiten so hemmungslos vergöttert hat, der sei herzlich eingeladen, seinen Horizont zu erweitern!
"(A) Senile Animal" - für mich das Album des Jahres!