With Full Force XV
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Im niedersächsischen 1500-Seelen-Nest Hemslingen traf sich am Morgen des 03.07.2008 der erste Teil der wohl vernunftresistentesten Party-Crew unserer bunten Republik, um unter dem Banner des Online-Forums "Rockplatz.de" das "With Full Force"-Festival zu zelebrieren.
Ein paar Facts dazu:
- 15jähriges Jubiläum
- 64 Bands
- ca. 25.000 Besucher
- "härtester Acker" Deutschlands
Die Kolonne von sechs Autowagen erreichte bei Hitze, Regenschauern, heftigem Wind und nach einem unnötigen Stau bei Magdeburg erst am Abend das 370 km entfernte Gelände, den Flugplatz Roitzschjora (ich liebe dieses Wort) im sächsischen Löbnitz.
Eilig wurde das Rockplatz-Camp aufgebaut, um damit noch vor der Dunkelheit fertig zu sein. Dieses Glück hatten die acht Nachzügler nicht, für die es also hieß: Zeltaufbau bei Funzel-Licht. Nachdem auch diese Hürde genommen war, konnten wir endlich mit dem Feiern in unserer imposanten Zeltstadt beginnen; diese bestand letztlich aus neun Zelten, einem VW Bulli und 64qm von Pavillons überdachter Fläche (mehr als so manche Wohnung hat). Da ungefähr zweieinhalb Mitglieder unserer Moshcrew vorher noch nie auf einem Open Air waren, konnte deren Entjungferung ordentlich begossen werden. Motto des Tages: "Fick die Bude kaputt!"
Der Freitag: Geweckt wurden wir von einem mittelschweren Hurrikan, und einige von uns haben sich schon darauf eingestellt, das gesamte Wochenende am Grill unterm Pavillon zu verbringen und nicht eine Band zu sehen. Glücklicherweise wurde es zum Mittag hin aber freundlicher. Nach dem üblichen Bierfrühstück und einer wirklich fiesen Sangria-Session eröffneten "Misery Speaks" das Festival, und für unsere Pferdefreunde stand erstmal Rodeo auf dem Programm. Ein kühnes Trio war derweil damit beschäftigt, sich irgendwie einen flugfähigen Drachen zu bauen. Highlights des Tages waren auf der Mainstage u.a. "Meshuggah", "Caliban" und "Agnostic Front". Die Headliner "Bullet For My Valentine" lieferten eine perfekte Show ab, mit fast Album-mäßigem Sound. Danach spielten "Machine Head" (ebenfalls HL) ein super Set mit alten und neueren Songs. Hervorzuheben ist das live selten gespielte Iron Maiden-Cover "Hallowed Be Thy Name". Auf der Tentstage ließen u.a. "Japanische Kampfhörspiele", "Born From Pain" und "Madball" den Saal kochen. Unsere Black-Death-Sonstwas-Hörer konnten dann in der Knüppelnacht u.a. zu "Rotting Christ", "Mayhem" und "Belphegor" die Haare kreisen lassen. Der Abend endete erst spät nach gemütlicher Einnahme einiger Gerstenkaltschalen. Motto des Tages: "Saufen bis die Kotze sauer schmeckt!"
Am Sonnabend mussten wir uns die Zeit bis zu den ersten Bands mit allerlei Trinkspielen vertreiben, dazu gehörten Bierbong-/Trichtersaufen und x-maliges Dosenstechen, das in der Disziplin "gemeinschaftliches 5l-Faßstechen" gipfelte. Der Nachmittag wurde mit dem Anschauen der Freestyle Motocross-Show und wiederholtem Rodeo-Reiten verbracht. Auf der Mainstage waren "A.O.K." mit ihrem Krank-Punk die Opener, gefolgt von u.a. "Illdisposed", "DevilDriver" und "Heaven Shall Burn". Letztere haben mal wieder für Aufsehen gesorgt, indem sie das Publikum zu einer riesigen Wall of Death-Circle Pit-Kombination treiben konnten. "Ministry" (HL), die auf ihrer C U LaTouR hier Station machten, waren ein echter Burner. Ihr treibender Industrial-Sound plus die Bühnenshow mit Videoleinwand gingen einfach unter die Haut. Gefolgt wurden sie von "In Flames" (HL), deren aufwändige Pyroshow mit Top-Effekten und Timing glänzte. Das anschließende, etwa zehnminütige und wirklich beeindruckende Höhenfeuerwerk beendete den offiziellen Teil des Abends. Die Tentstage wurde den Tag über von u.a. "Destiny Program", "Mad Sin", "Lagwagon" und "Ryker's" in Grund und Boden gerockt, wobei vom Saturday Night Fever "Danko Jones" und "Psychopunch" erwähnenswert sind. Am späten Abend hatten wir dann einen respektablen Krankenstand zu vermelden; 7 von insgesamt 23 Rockplatzlern hatten mit größeren oder kleineren Wehwehchen zu kämpfen, das entspricht einer Quote von 30,43478261%! Außerdem plagten uns zwischenzeitlich verlorene Autoschlüssel und Stimmen. Motto des Tages: "Heute schütten wir uns zu!"
Einen witzigen Start in den Sonntag bescherte uns auf der Mainstage "Mambo Kurt" mit seiner legendären Heimorgel, die er zum Finale seines Auftrittes mit einem Vorschlaghammer malträtierte. Nach ihm spielten noch u.a. "The Exploited", "J.B.O.", "Biohazard" (HL) und "Cavalera Conspiracy" (HL). Die schwitzende Crowd wurde auf der Tentstage u.a. von "H2O", "Pöbel & Gesocks" und "Slapshot" zum Durchdrehen gebracht, während von der Sonntag-Nacht-Veranstaltung The Last Supper u.a. "Moonspell" und die Festival-Ender "Subway To Sally" zu nennen sind. Der Großteil der Rockplatz-Crew verbrachte den Tag allerdings eher im Camp als vor der Bühne, und so wurde die wohl krankeste Party ever gestartet. Im Verlauf von selbiger wurden verdorbene Würstchen gegrillt und ein nicht zu beneidender Zeitgenosse frisiert, es wurde extrem viel gelacht, getrunken und bis zum Drehzahlbegrenzer in einen Geburtstag reingefeiert. Motto des Tages: "Hardkore Ponyhoof!"
Der Montag der Abreise bestand im Grunde nur aus dem fachgerechten (...) Abbau des Camps, der ca. zweistündigen, schließlich doch erfolgreichen Suche nach einem Autoschlüssel (Alter, du schuldest uns was!) und der chaotischen Heimfahrt. Motto des Tages: "Happa happa!"
Resümee dieses einmaligen Wochenendes: Ein geschätzte 583 Kubikmeter großer Müll-haufen, ein paar Invaliden, tolle Fotos und Erinnerungen und die Gewißheit, nächstes Jahr wieder dabei zu sein.